Kraftwerk an der Wolfzahnau in Augsburg
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Kraftwerk an der Wolfzahnau

Das 1901 am Zusammenfluss von Lech und Wertach erbaute Kraftwerk versorgt aktuell 15 000 Menschen mit Strom.
Das vier Meter hohe Schwungrad wurde bei der Weltausstellung in Paris 1900 als Symbol deutscher Technik-Baukunst gezeigt.

Baugeschichte und Beschreibung

  • Wasserkraftwerksbau, bis heute in Betrieb, im Landschaftsschutzgebiet Wolfzahnau (Gebiet am Zusammenfluss von Lech und Wertach)
  • Augsburg, zwischen Oberhausen und Firnhaberau; Wolfzahnau 1
  • Kanalaushub (1100 m) ab 1900
  • Inbetriebnahme der ersten Francis-Turbine 1901
  • Fertigstellung des Kraftwerks und Einbau von zwei weiteren Francis-Turbinen 1902
  • Einbau einer Francis-Zwillingsturbine über dem ehemaligen Leerschuss und Aufstellung des Schwungrades von der Pariser Weltausstellung 1913
  • Einbau von hochwassersicheren Generatoren und Kaplan-Turbinen 1969
  • Ingenieure Widmann und Telorac, Architekt möglicherweise Karl Albert Gollwitzer
  • Kraftwerke am Stadtbach, Wolfzahnau und Proviantbach gehörten ursprünglich zur Baumwollspinnerei am Stadtbach
  • Turbinen- und Verwaltungsbau, symmetrischer Baukörper mit drei gleich breiten Feldern
  • Blankziegelbau in rot und gelb mit Lisenengliederung und Rundbogenöffnungen
  • Umspannhaus mit turmartigem Satteldachbau über quadratischem Grundriss mit seitlichen, niedrigeren Anbauten, Blankziegelbau
Das Kraftwerk an der Wolfzahnau aus der Vogelperspektive
Schwungradgenerator im Kraftwerk an der Wolfzahnau
Südfassade des Kraftwerks an der Wolfzahnau

Verwendung und Zweck

  • Wasserkraftwerk der ehemaligen Stadtbachspinnerei (Areal bereits 1867 erworben), dann der Firma Dierig
  • sollte Wasserkraft von Proviantbach und Stadtbach vereinen (Stauwehr aus Beton ab 1900)
  • einsetzende Elektrifizierung der Industriebetriebe, Fernübertragung des Stroms (ab 1891 möglich) machte Umspannung und dadurch ein Transformatorenhaus nötig
  • Floßgasse 1913 zum Leerschuss umgebaut
  • durch den Auslaufkanal fließen 39 Kubikmeter Wasser pro Sekunde
  • technische Ausstattung:
    • 5m hoher Schwungradgenerator von Siemens-Schuckert von 1913 als Schaustück
    • drei Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle
  • Kraftwerk als Objekt des UNESCO-Welterbes steht für:
    • Weiterentwicklung vom kleingewerblichen bis zum industriellen Maßstab
    • Weiterentwicklung vom einfachen Wasserrad zur hocheffektiven Turbine
    • frühe Ablösung der mechanischen Übertragungen der Wasserkräfte in der Region durch die Elektrifizierung
    • frühe Ablösung der ortsnahen Wasserkraftnutzung und Elektrizitätserzeugung durch dezentrale Laufwasserkraftwerke
    • Nutzung regenerativer Energien kommt Umwelt zugute,
    • "Augsburger Tradition“ der Nachhaltigkeit als globales Vorbild

Authentizität und Alleinstellungsmerkmale

  • Fassadensanierung 1997-1998
  • Baudenkmal im Bestzustand erhalten
  • technische Ausstattung teilweise erhalten
  • heutige Nutzung als Wasserkraftwerk, Wohn- und Bürogebäude
  • Energiegewinnung wird heute in das öffentliche Stromnetz gespeist
  • Naturschutzgebiet
  • erstes Kraftwerk im Augsburger Stadtgebiet, das räumlich völlig unabhängig von einem Industriestandort in Betrieb ging
  • zeugt von zunehmender Elektrifizierung der Industrie um 1900
  • Schwungrad als Schaustück deutscher Ingenieurskunst bei Pariser Weltausstellung 1900 (von Baumwollspinnerei am Stadtbach erworben)
  • im Auslaufkanal vereinigen sich alle aus dem Lech gespeisten Kanäle
  • Vermittlung der technischen Entwicklung an einem sehr gut erhaltenen, beispielhaften Wasserkraftwerk

Informationen und Standort

Allgemeine Hinweise:

Kraftwerk befindet sich in Privatbesitz

Öffnungszeiten:

Nicht öffentlich zugänglich

Kontakt:

Stadt Augsburg
Welterbe-Büro
Rathausplatz 1, 86150 Augsburg

+49(0)821 324-2115
welterbe@augsburg.de

Führungen:

Keine regulären Führungen möglich.
Im Rahmen besonderer Veranstaltungen werden einzelne Termine bekannt gegeben.

Anreise:

Die nächstgelegene Haltestelle ist Haindl (Buslinie 35 und 44). Von dort aus sind es noch ca. 3 Kilometer bis zum Kraftwerk. Für die Anreise mit dem Auto auf der Berliner Allee/B2 Richtung Nordwesten fahren. Rechts auf die Franz-Josef-Strauß-Straße abfahren und weiter geradeaus bis zum Parkplatz am Rand des Landschaftsschutzgebietes Wolfzahnau. Von dort aus dem Weg ca. 1,5 Kilometer weiter zu Fuß bis zum Kraftwerk folgen.

Lage:

Das Kraftwerk an der Wolfzahnau liegt im Stadtteil Oberhausen, dort wo sich Lech und Wertach im Landschaftsschutzgebiet Wolfzahnau vereinen.