Immaterielles Kulturerbe in Augsburg
Immaterielles Kulturerbe umfasst alle kulturellen Ausdrucksformen, die das menschliche Wissen und Können hervorgebracht hat und das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Dabei kann es sich auch verändern, erweitern oder neu geschaffen werden. Immaterielles Kulturerbe kann demzufolge von unbeweglichen Gütern, wie Welterbestätten, oder beweglichen Gütern, wie etwa dem Weltdokumentenerbe, unterschieden werden. Es umfasst damit etwa Traditionen und Bräuche, darstellende Künste oder auch Wissen, Praktiken und Techniken. Das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO trat 2006 in Kraft. Gemäß dieser Konvention werden zwei Listen unterschieden: In einer Repräsentativen Liste wird das weltweite Immaterielle Erbe dokumentiert, während die Liste des dringend erhaltensbedürftigen immateriellen Kulturerbes das besonders gefährdete Erbe hervorhebt. Daneben existiert auch noch ein Register guter Praxisbeispiele wie etwa die Handwerkstechniken und Gepflogenheiten der Dombauhütten in Europa.
Das Hohe Friedensfest wird jährlich am 8. August als städtischer Feiertag begangen. Er gilt ausschließlich für das Augsburger Stadtgebiet und ist bundesweit einzigartig. Jedes Jahr wird das Friedensfest mit einem mehrwöchigen partizipativen Programm gefeiert. 2018 wurde das Friedensfest in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.
Die Tradition des Friedensfestes lässt sich bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde den protestantischen Gläubigen in der Stadt Augsburg am 8. August 1629 die Ausübung ihres Glaubens untersagt. Erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 erlangten sie die faktische Gleichstellung mit der Römisch-Katholischen Kirche, die bereits 1555 im Augsburger Religionsfrieden formuliert worden war. Zur Erinnerung an dieses Ereignis feierten die Protestantinnen und Protestanten im Jahr 1650 zum ersten Mal das Hohe Friedensfest – am 8. August. Aus dem ursprünglich protestantischen Fest entwickelte sich im 20. Jahrhundert schließlich ein ökumenisches Fest, das alle Religionen und Kulturen miteinschließt. 1950 wurde das Augsburger Hohe Friedensfest ein offizieller Feiertag. Damit hat Augsburg die meisten Feiertage in ganz Deutschland.
Das Friedensfest wird von einem vielfältigen und reichhaltigen Kulturprogramm begleitet, das die Vielfalt der Augsburger Stadtgesellschaft widerspiegelt. Neben der großen Friedenstafel auf dem Augsburger Rathausplatz finden auch kleine Friedenstafeln in den Stadtteilen statt. Der Austausch von selbst mitgebrachten Speisen und Getränken, das Kennenlernen und die Begegnung mit den Tischnachbarn symbolisieren hier wie dort das gelebte friedliche und gleichberechtigte Miteinander.
Seit über 370 Jahren wird am 8. August auch das Kinderfriedensfest als Augsburgs größtes Kinder- und Familienfest gefeiert. Es bietet im Botanischen Garten, dem Zoo und dem Umweltbildungszentrum spannende Aktionen zum Mitmachen.
Seit 2022 ist die Flößerei ein multinationales Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Die Länder Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Lettland und Spanien reichten hierzu eine gemeinsame Nominierung ein.
Die Tradition der Flößerei hat ihre Ursprünge in Europa bereits in der römischen Antike. Der Transport von Holz über Wasserwege war jahrhundertelang ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsgeschichte und damit verbunden der Handwerkskunst und des Wohlstands zahlreicher Städte und Länder. Eine Blütezeit erreichte die Flößerei zwischen dem Mittelalter und dem frühen 20. Jahrhundert. Die Fertigkeiten und Techniken des Floßbaus sowie die damit verbundenen Kenntnisse der Logistik und der Navigation wurden immer weiterentwickelt und über Generationen tradiert.
Auch in der Stadt Augsburg hat die Flößerei ihre Spuren hinterlassen. Das Wassermanagement-System sowie die Lage am Fluss Lech waren hierfür wichtige Voraussetzungen. Bereits die Römer versorgten das antike Augsburg durch Flöße mit Holz und anderen Handelsgütern. Die Reichsstadt Augsburg hatte im Mittelalter ebenfalls einen enormen Bedarf an Holz, der durch den Kauf von Wäldern entlang des Lechs nicht umfassend gedeckt werden konnte. Über Füssen, den obersten Lechhafen, wurden im 16. Jahrhundert somit bis zu 350.000 Hölzer über den Lech nach Augsburg transportiert. Diese Holztrift wurde im Laufe der Zeit immer unrentabler, die Frachtflößerei blieb jedoch bis zum 20. Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Augsburg.
Den Hochablass ziert noch heute eine steinerne Personifikation der Flößerei. Noch 1912 wurde hier im Zuge des Neubaus des Hochablasses auch ein neuer Floßhafen angelegt, der jedoch bereits wenige Jahre später aufgrund der immer mehr dominierenden Eisenbahn aufgegeben wurde. In den vorausgehenden Jahrhunderten landeten zahllose Flößer an dieser Stelle an, wo sie eine „Rutsche“ passierten, über welche die Handelsgüter über den damaligen Floßbach, heute den Hauptstadt- und Kaufbach, auf dem Wasserweg weiter Richtung Augsburg transportiert wurden. Die Kanäle führten bis an das Rote Tor oder über den Proviantbach bis an das Jakobertor. Daneben existierten noch weitere Anlegestellen, über welche die Waren innerstädtisch weitertransportiert werden konnten. Auch der heutige Augsburger Stadtteil Lechhausen, damals zu Bayern gehörig und einer der wichtigsten bayerischen Ländeplätze, verfügt über Erinnerungsorte der Flößerei.