‚Wasser im Kontext‘ Vortragsreihe zum Thema Wasser in Kooperation mit der Universität Augsburg
Vortragsreihe zum Thema Wasser in Kooperation mit der Universität Augsburg.
Betrachtungen des Wassers aus literarisch-kulturwissenschaftlicher, historischer und aus politischer Sicht.
Die drei Termine 9. Juni 2026, 16. Juni 2026, 7. Juli 2026 stehen jeweils unter unterschiedlichen Themen, welche folgend beschrieben werden:
9. Juni 2026
Mit dem Fahrrad im Sumpf. Otto Kraus und die Anfänge des bayerischen Moorschutzes, 1904-1984.
Simone Müller
Trotz massiven Verlusts gehören Feuchtgebiete noch immer zu den prägenden Landschaftszügen des heutigen Bayerns. Auf mehr als 220.000 Hektar bilden große und kleine Seggenmoore, Kalksümpfe, Altwasser, Feuchtwiesen und Kalktrockenwiesen ein regelrechtes Landschaftsmosaik. Über Jahrhunderte hinweg lebten und nutzen Menschen diese Feuchtgebiete als Weideflächen, zur Torfgewinnung und – nach oft großflächigen Trockenlegungsmaßnahmen – für Landwirtschaft und Wohnbebauung.
Die Sorge um die so stattfindende Zerstörung und den Verlust von Feuchtgebieten begann in Bayern um die Wende zum 19. Jahrhundert mit dem Schutz des Bernrieder Flös und des Murnauer Moos, wobei nach dem Zweiten Weltkrieg Otto Kraus als Leiter der Bayr. Landesstelle für Naturschutz zur zentralen Schlüsselfigur wurde. Einer der größten Erfolge kam 1976, als gleich fünf Flächen Teil des Ramsar UN Schutzabkommens wurden.
In historischer Begleitung eines die Moorflächen durchradelnden Otto Kraus, zeichnet der Vortrag zeichnet die Geschichte des bayerischen Moorschutzes von seinen Anfängen bis in die 1980er Jahre.
Simone Müller ist Professorin für Globale Umweltgeschichte und Environmental Humanities an der Universität Augsburg
16. Juni 2026
Wortflüsse: ‘Wasser’ als Motiv und Materie in der Gegenwartsliteratur
Katja Sarkowsky
Wasser ist nicht nur ein chemisches Element, ohne das das Leben, wie wir es kennen, nicht möglich wäre; die Materialität des Wassers macht dieses auch zu einem ‚kulturellen Stoff‘, der die menschliche Vorstellung, Sprache und Sinnstiftungsprozesse nachhaltig mitprägt. Dieser Vortrag widmet sich der Rolle des Wassers in der Gegenwartsliteratur als einer Form der kulturellen Sinnstiftung. Dabei geht nicht so sehr um Wasser als Symbol (z.B. für das Leben, die Erinnerung etc.), sondern um die Frage, wie die konkrete Materialität des Wassers, seine unterschiedlichen Formen und seine Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, in ausgewählten Beispielen der englischsprachigen Gegenwartsliteratur Niederschlag finden – als ästhetische Form wie auch als existentielles Thema.
Katja Sarkowsky ist Professorin für Amerikanistik an der Universität Augsburg.
7. Juli 2026
Die alte Republik Venedig: Das Wasser als Stadtmauer
Marcus Llanque
Die politische Bedeutung von Wasser als Symbol, als Ort des Handelns, als Identifikation soll in diesem Vortrag am Beispiel Venedigs gezeigt werden. Venedig war fast ein Jahrtausend eine unabhängige Republik und das Wasser spielte dabei eine zentrale Rolle. Anders als die meisten mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städte umgab sich Venedig nie mit einer Mauer. Das Wasser war die Mauer, welche die Republik vor ihren Feinden schützte. Das Wasser diente als Schutz, aber auch als Raum, in welchem man ungeheure Reichtümer anhäufte und schließlich als Identifikation, ging doch Venedig eine Ehe mit dem Meer ein. Keine Stadt lebte so innig wie Venedig vom Wasser, im Wasser, und zugleich ohne Wasser, denn es gab kaum Trinkwasser.
Marcus Llanque ist Professor für Politische Theorie an der Universität Augsburg und erforscht die Geschichte politischer Ideen.
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